200 Zimmer, das Hotel gut gebucht. Und abends sitzt kaum jemand in der Lobby.
Ich war vor Kurzem ein paar Tage in einem Wellnesshotel und habe mich mehrmals gefragt, warum das eigentlich so ist. Die Lobby ist wirklich schön gemacht, die Bar direkt daneben, genügend Platz zum Sitzen. Am Hotel selbst gibt es wenig auszusetzen.
Und trotzdem: Abends herrscht dort ziemlich wenig Betrieb.
Gut, nach einem ganzen Tag in der Therme hat man vielleicht auch einfach keine Lust mehr, sich noch an die Hotelbar zu setzen. Kann ich verstehen. Schließlich fährt man ja auch in ein Wellnesshotel, um seine Ruhe zu haben.
Was ich allerdings ziemlich lustig fand: Ausgerechnet im Außenpool der angeschlossenen Therme wurde munter gequatscht. Da gibt es mitten im Wasser eine kleine Insel mit Sitzplätzen. Man holt sich an der Poolbar etwas zu trinken, setzt sich auf die Insel und bleibt eine Weile sitzen.
Ich hatte einige Leute vorher schon am Beckenrand gesehen. Die saßen getrennt voneinander und warteten auf ihre Getränke. Ein bisschen später unterhielten sie sich auf dieser Insel, als wäre das die normalste Sache der Welt. Genau das fand ich so interessant.
Da steht eine schöne Hotellobby praktisch leer, während ein paar Menschen mitten im Pool miteinander ins Gespräch kommen.
Herrlich, oder?
Jetzt weiß ich natürlich nicht, ob die Leute sich vorher schon kannten. Ich weiß auch nicht, ob es Hotelgäste oder Tagesgäste waren. Die Therme ist schließlich für beide zugänglich. Aber irgendwie musste ich bei dieser Szene an meine Zeit in der Hotellerie denken.
Über 20 Jahre habe ich in Hotels gearbeitet. Und da stehst du als alter Hotelmensch und denkst dir: Wie viel Mühe fließt eigentlich in die Gestaltung von Hotelräumen? Da werden Möbel ausgesucht, Farben abgestimmt, Beleuchtungskonzepte entwickelt und Aufenthaltsbereiche eingerichtet.
Alles richtig. Eine schöne Lobby ist schließlich etwas Feines. Nur kommt mir dabei inzwischen eine andere Frage in den Sinn: Wie viel Gedanken machen wir uns eigentlich darüber, was die Gäste in diesen Räumen miteinander anfangen können?
Denn nur weil irgendwo ein paar schöne Sofas stehen, heißt das noch lange nicht, dass dort auch etwas passiert.
Und jetzt wird es noch lustiger.
Beim Frühstück ist mir nämlich etwas Ähnliches aufgefallen. Da standen ein paar Leute an der Omelettstation, warteten auf ihre Eier und kamen ebenfalls ins Gespräch.
Vor einer Pfanne mit Eiern!
Da wird in der Hotellerie teilweise ein riesiger Aufwand betrieben, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, und dann stehen ein paar Leute beim Frühstück herum, warten auf ihr Omelett und fangen einfach an zu reden. Ich finde das schon bemerkenswert.
Offenbar braucht es nicht immer einen besonders aufwendig gestalteten Aufenthaltsbereich, damit Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Ein gemeinsamer Anlass kann manchmal schon reichen.
Wobei ich auch hier vorsichtig wäre. Ob die Sitzinsel tatsächlich etwas mit den Gesprächen zu tun hatte, weiß ich nicht. Und aus ein paar Unterhaltungen an einer Omelettstation lässt sich natürlich keine allgemeingültige Theorie über das Gästeverhalten ableiten.
Aber die Frage lässt mich trotzdem nicht los.
Was wäre, wenn Hotels bei der Gestaltung ihrer Räume nicht nur überlegen würden, wie diese aussehen sollen, sondern sich auch öfter fragen, welche Begegnungen dort überhaupt möglich sind? Nicht, weil sich jeder Gast mit jedem unterhalten muss. Um Gottes willen!
Ich finde nur, dass es einen Unterschied macht, ob ein Raum einfach schön eingerichtet ist oder ob man sich auch Gedanken darüber macht, was Menschen dort tatsächlich tun können.
Vielleicht sollte man sich solche alltäglichen Situationen einfach öfter anschauen. Ohne gleich ein großes Konzept daraus zu machen.
Und bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, jeden Hotelgast in eine Kennenlernrunde zu schicken: Bitte nicht. Ich möchte morgens auch einfach mal in Ruhe meinen Espresso trinken!

